20. September 2022 – Hannah Hofmann

Kohlensäuremangel

Deutschland geht die Kohlensäure aus

Die ersten Brauereien mussten bereits ihre Produktion einstellen. Was bedeutet das für unsere Oktoberfeste und andere Lebensmittelhersteller?

oktoberfest bier

Seit Samstag heißt es wieder "O'zapft is!" Nach zwei langen Corona-Jahren, in denen auf das beliebteste Volksfest der Deutschen verzichtet werden musste, ging es nun endlich wieder los. Trachten, Kirmes und vor allem Bier wurden die letzten Jahre sehr vermisst. Doch auch hier sind jetzt die Folgen der Energiekrise spürbar.

Coca-Cola kündigte bereits Ende August an, die Preise anheben zu müssen. Das liegt zum einen an den fehlenden Pfandflaschen, zum anderen aber am drastischen Kohlensäuremangel. Laut Schätzungen der deutschen Ernährungsindustrie sind nicht einmal mehr die Hälfte (30-40%) der üblichen Kohlensäure-Liefermengen vorhanden.

Das hat zur Folge, dass nach Coca-Cola, nun auch andere Soft-Drink-Hersteller und die ersten Brauereien mit einem Preisanstieg rechnen und sogar die Produktion einstellen müssen.

Aber warum fehlt Deutschland die Kohlensäure?

Die Kohlensäure, welche für die Lebensmittelherstellung verwendet werden kann, ist vor allem ein Nebenprodukt der Ammoniak-Produktion. Diese spielt zum Großteil bei der Düngemittelherstellung eine große Rolle. Als die Gaspreise kürzlich so enorm angestiegen sind, wurde auch die Düngemittelproduktion zurückgefahren, da diese besonders energieintensiv ist.

Weniger Düngemittel bedeutet also weniger Kohlensäure.

Sind unsere Oktoberfeste in Gefahr?

Das führt dazu, dass bereits erste Brauereien ihre Produktion einstellen mussten. Denn gerade Brauereien brauchen jede Menge Kohlensäure, um ihre Tanks und Fässer „vorzuspannen“, damit das Bier vor dem Abfüllen nicht mit Luft in Berührung kommt oder zu sehr schäumt. Und da viele Brauereien nebenbei zusätzlich auch Soft-Drinks herstellen, für die weitaus mehr Kohlensäure benötigt wird, sehen die Getränke-Hersteller einer ernsthaften Krise entgegen.

Das ist bereits bei den ersten Oktoberfesten in Deutschland spürbar. Zwar ist nicht mit Bier-Engpässen auf der Wiesn zu rechnen, da diese bereits vor Monaten bestellt wurden. Ein Maß Bier kostet aber dafür dieses Jahr zwischen 13 und 15 Euro und auch für den privaten Gebrauch geht man von einem Preisanstieg von etwa zehn bis 15 Prozent aus.

Wer ist noch davon betroffen?

Die Getränkehersteller sind nicht die einzigen, die von dem Kohlensäuremangel betroffen sind. Fleischereien, Molkereien und andere Lebensmittelhersteller stehen bald vor einem ernsthaften Problem, da sie das CO2 bei der Verpackung als Schutzgas oder beim Transport für die Kühlung benötigen.

Die gute Nachricht ist: der Kohlensäure-Mangel trifft nicht alle Betriebe gleich. Der Oetker-Konzern, dem beispielsweise Jever, Schöfferhofer und Clausthaler angehören, benutzt eigens hergestellte Gährungskohlensäure für ihre Produktion und auch viele Mineralwasser-Produzenten setzen auf natürliche Quellkohlensäure.

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