Sich selbst über WhatsApp krankschreiben? Wie funktioniert das und ist das legal?

Sicherlich kennst du das auch: gestern war die Welt noch in Ordnung und über Nacht hat es dich schlimm erwischt. Eine saftige Erkältung. Du möchtest einfach nur im Bett bleiben, kannst nicht auf Arbeit und hast am allerwenigsten Lust, dich ins übervolle Wartezimmer beim Arzt zu setzen.

Stattdessen könnte man sich doch ganz bequem via WhatsApp selbst krankschreiben.

Krankenschein via WhatsApp: So funktioniert's

Auf au-schein.de erhältst du deinen Krankenschein über WhatsApp, ganz ohne einen Arztbesuch. Hinter dem Service stecken Telemediziner, die sich vor allem auf kleine Erkältungen spezialisiert haben.

Mit ein paar Klicks auf der Webseite kann man eine Erkältung beschreiben und bekommt dafür ein Attest. Fieber, eine laufende Nase, Rachenschmerzen, Heiserkeit – aus insgesamt 22 Erkältungssymptomen kannst du wählen. Du kannst selbst entscheiden, ob du dich ein, zwei oder maximal drei Tage krankschreiben lassen möchtest.

Im zweiten Schritt wirst du nach chronischen Krankheiten, starken Schmerzen oder einer Schwangerschaft gefragt, um Risiken auszuschließen.

Nachdem du alle Fragen beantwortet hast, wirst du zur Kasse gebeten: 9€ per PayPal kostet dich dieser Service.
Du versendest dann deine Daten über WhatsApp und ein paar Stunden später hältst du deine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung per App im PDF-Format in der Hand bzw. auf dem Handy. Wenn du dich bis um 10 Uhr morgens bei dem Service meldest, erhältst du die Krankmeldung am selben Tag bis 14 Uhr bei WhatsApp.
Diesen Service können Arbeitnehmer zweimal im Jahr nutzen, heißt es auf der Webseite.

Krankschreibung über WhatsApp: Ist das rechtens?

Mit dem Arzt telefonieren oder ihn persönlich sehen, ist nicht notwendig. Die Kommunikation verläuft nur über WhatsApp. Das sei rechtlich alles kein Problem, heißt es auf der Webseite „AU-Schein.de“.

Möglich werde der WhatsApp-Service durch die Lockerung des Fernbehandlungsverbots im letzten Jahr. Die Berufsordnung für Ärzte in Schleswig-Holstein lasse einen weitreichenderen Einsatz von Telemedizin zu, als die Berufsordnung der Bundesärztekammer. Auch müssten Krankschreibungen von den Kassen anerkannt werden, selbst wenn diese von einem Privatarzt ausgestellt werden.

Die Krankmeldung per WhatsApp erkennen die Krankenkassen laut Webseite an. Denn von „AU-Schein.de“ bekommt man in den nächsten Tagen ein ausgedrucktes Attest per Post, welches man dann an die Krankenkasse senden muss.

Kritik von Ärztekammern und Probleme mit dem Datenschutz

Ärztevertreter sehen das allerdings anders – die Ärztekammern Hamburg und Schleswig-Holstein raten von der Nutzung des Dienstes ab. Ein Problem sei der Datenschutz und auch andere rechtliche Grundlagen müssten noch geprüft werden, erklärt Nicola Timpe von der Ärztekammer Hamburg.
Auch der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) sieht das Angebot kritisch, vor allem, dass es keinen Arzt-Patienten-Kontakt gebe und damit auch keine Untersuchung des Patienten. Weitere Punkte (wie die Gebühr) müssten noch juristisch geprüft werden, heißt es vom GKV.

Alle Infos finden zur Krankschreibung per WhatsApp kannst du au-schein.de nachlesen.