05. März 2026 – 89.0 RTL
Spritpreise vergleichen kann sich lohnen – aber nicht jeder Umweg spart Geld. Wir rechnen vor, wann die Fahrt zur günstigeren Tankstelle wirklich Sinn macht.
Die Spritpreise klettern wieder in die Höhe – und viele Autofahrer fragen sich: Soll ich wirklich zur weiter entfernten Tankstelle fahren, wenn dort der Liter 20 Cent günstiger ist? Die Antwort ist überraschend eindeutig, wenn man einmal nachrechnet. Denn während ein kurzer Umweg durchaus Sinn macht, kann eine zu weite Fahrt die Ersparnis schnell zunichtemachen.
Tankstellen-Apps zeigen die günstigsten Preise
In Zeiten steigender Kraftstoffpreise greifen immer mehr Autofahrer zu digitalen Helfern. Apps wie "ADAC Drive", "Clever Tanken" oder "mehr-tanken" zeigen in Echtzeit, wo im Umkreis gerade am günstigsten getankt werden kann. Besonders praktisch: Die meisten dieser Anwendungen berücksichtigen auch die aktuelle Position und können so direkt berechnen, welche Tankstelle auf der Route liegt.
Allerdings warnt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel vor zu starren Mustern: "Aktuell ist sehr viel Dynamik drin." Während normalerweise abends zwischen 19 und 20 Uhr die günstigsten Preise zu finden sind und morgens zwischen 7 und 8 Uhr die teuersten, können krisenbedingte Schwankungen diese Regel durchbrechen. Wer sparen will, sollte also flexibel bleiben und regelmäßig die Preise checken.
Die Umweg-Rechnung: Wann lohnt es sich wirklich?
Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Die Tankstelle um die Ecke verlangt 2,00 Euro pro Liter, die weiter entfernte nur 1,80 Euro. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern ergibt das eine Ersparnis von 10 Euro – klingt verlockend. Doch wie weit darf die günstigere Tankstelle entfernt sein?
Der Tüv Süd hat nachgerechnet: Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 8 Litern auf 100 Kilometer kostet jeder gefahrene Kilometer etwa 0,144 Euro an Sprit. Ein Umweg von 10 Kilometern würde also 1,44 Euro kosten und ließe noch 8,56 Euro Ersparnis übrig. Bei 30 Kilometern Umweg blieben immer noch 5,68 Euro gespart. Erst ab etwa 70 Kilometern Umweg wäre die Preisdifferenz komplett aufgefressen.
Autobahn-Tankstellen: Hier lohnt sich die Abfahrt fast immer
Ein Umweg, der sich praktisch immer rechnet, ist das Verlassen der Autobahn zum Tanken. Wie der ADAC in Stichproben regelmäßig feststellt, verlangen Autobahn-Tankstellen deutlich höhere Preise als ihre Pendants abseits der Schnellstraßen. Wer also ohnehin eine Pause einlegen möchte, sollte die nächste Ausfahrt nehmen und dort tanken – das spart oft 10 bis 15 Cent pro Liter.
Reservekanister: Was ist erlaubt und was macht Sinn?
Wer eine besonders günstige Tankstelle entdeckt, kommt vielleicht auf die Idee, nicht nur den Tank zu füllen, sondern auch noch Reservekanister mitzunehmen. Rechtlich ist in Deutschland der Transport von bis zu 240 Litern in zugelassenen Kanistern erlaubt – allerdings nur für den privaten Gebrauch und in Behältern mit UN- oder RKK-Zulassung.
Der ADAC rät jedoch aus Sicherheitsgründen zu deutlich weniger: Maximal 10 Liter sollten im Kofferraum mitgeführt werden, und zwar gut gesichert mit Spanngurten. Denn bei einem Unfall kann auslaufender Kraftstoff zur tödlichen Gefahr werden.
Grenzüberschreitender Tankverkehr: Vorsicht vor Steuerfallen
Besonders für Grenzgänger interessant: Während der volle Tank abgabenfrei aus dem Ausland mitgebracht werden darf, sieht es bei Reservekanistern anders aus. Mehr als 20 Liter in Kanistern sind in Deutschland mineralölsteuerpflichtig. Wer aus Nicht-EU-Staaten einreist, muss bereits über 10 Liter beim Zoll anmelden.
Alexander Römer vom ADAC erklärt: "Größere Mengen müssen beim zuständigen Hauptzollamt angemeldet und die Energiesteuer muss entrichtet werden." Das kann die vermeintliche Ersparnis schnell zunichtemachen. Auch im Ausland gelten oft strengere Regeln – in manchen Ländern ist die Mitnahme von Reservekanistern komplett verboten.
Häufig gestellte Fragen zum Tanken und Spritsparen
Wie viel Kraftstoff darf ich zu Hause lagern?
Die Lagerung von Kraftstoff zu Hause ist streng reglementiert und unterscheidet sich je nach Bundesland. In Bayern und Baden-Württemberg beispielsweise dürft ihr bis zu 200 Liter Diesel, aber nur 20 Liter Benzin in der Garage aufbewahren. Wichtig dabei: Die Behälter müssen dicht verschlossen und bruchsicher sein. Wer mehr lagern möchte, benötigt eine Genehmigung und muss zusätzliche Sicherheitsauflagen erfüllen. Generell gilt: Aus Sicherheitsgründen solltet ihr nur so viel lagern, wie wirklich nötig ist.
Lohnt sich der Umweg zur günstigeren Tankstelle wirklich?
Das hängt von der Preisdifferenz und der Entfernung ab. Als Faustregel gilt: Bei 20 Cent Unterschied pro Liter und einer 50-Liter-Tankfüllung könnt ihr bis zu 30 Kilometer Umweg fahren und spart noch etwa 5 Euro. Allerdings solltet ihr bedenken, dass in dieser Rechnung weder Verschleiß, Zeitaufwand noch zusätzlicher CO2-Ausstoß berücksichtigt sind. Ein kurzer Umweg von 5 bis 10 Kilometern lohnt sich fast immer, längere Strecken nur bei sehr großen Preisunterschieden.
Zu welcher Tageszeit ist Tanken am günstigsten?
Normalerweise sind die Spritpreise abends zwischen 19 und 20 Uhr am niedrigsten, während morgens zwischen 7 und 8 Uhr die höchsten Preise aufgerufen werden. In Krisenzeiten mit stark schwankenden Preisen kann dieses Muster jedoch durchbrochen werden. Am besten nutzt ihr eine Tankstellen-App, die euch die aktuellen Preise in Echtzeit anzeigt. So könnt ihr flexibel reagieren und den optimalen Zeitpunkt zum Tanken erwischen – unabhängig von starren Zeitmustern.