27. Januar 2026 – 89.0 RTL
WhatsApp muss künftig EU-Digitalgesetze für öffentliche Kanäle einhalten. Private Chats bleiben unberührt. Was die neuen Regeln bedeuten.
Die EU-Kommission hat eine weitreichende Entscheidung getroffen: WhatsApp muss künftig die strengen Vorgaben des Digital Services Act (DSA) einhalten. Betroffen sind allerdings nicht die privaten Chats, sondern die öffentlichen Kanäle der Messenger-App. Der Facebook-Konzern Meta hat nun vier Monate Zeit, die neuen Anforderungen umzusetzen. Was bedeutet das konkret für die Millionen Nutzer in Deutschland?
Private Nachrichten bleiben unberührt – Fokus liegt auf öffentlichen Kanälen
Die Brüsseler Behörde stellte klar: Ihre privaten WhatsApp-Chats und Direktnachrichten sind von der neuen Regelung nicht betroffen. Im Visier der EU-Kommission stehen ausschließlich die öffentlichen Kanäle, über die Organisationen, Medien und Unternehmen ihre Follower erreichen. Diese Kanäle werden nun ähnlich behandelt wie Social-Media-Plattformen – ein bedeutender Schritt, der WhatsApp in eine neue Kategorie digitaler Dienste einordnet.
Die Entscheidung basiert auf der Nutzerzahl: WhatsApp hat in Europa eine kritische Schwelle erreicht, die den Messenger-Dienst in die Verantwortung nimmt. Bundesregierung, Fußballvereine, Nachrichtenportale und Verkehrsbetriebe nutzen diese Kanäle bereits intensiv, um tausende oder sogar Millionen Menschen zu erreichen. Genau diese Reichweite macht die Plattform aus EU-Sicht regulierungsbedürftig.
Was der Digital Services Act für WhatsApp konkret bedeutet
Das Gesetz über digitale Dienste verfolgt mehrere Ziele: Illegale Inhalte müssen schneller entfernt werden, Wahlmanipulation soll verhindert und der Umgang mit Werbung transparent gemacht werden. Für WhatsApp bedeutet das praktisch, dass der Dienst Mechanismen einrichten muss, um problematische Inhalte in öffentlichen Kanälen zu identifizieren und zu löschen.
Transparenz und Schutzmaßnahmen im Fokus
Die neuen Vorgaben umfassen:
- Schnelle Reaktion auf Meldungen illegaler Inhalte in Kanälen
- Transparente Darstellung von Werbeinhalten
- Schutz vor Desinformation, besonders im Wahlkampf
- Klare Regeln für Algorithmen, die Inhalte verbreiten
Meta hat vier Monate Zeit, diese Anforderungen umzusetzen. Die Frist mag knapp erscheinen, doch die EU-Kommission zeigt sich in der Durchsetzung ihrer Digitalgesetze zunehmend entschlossen.
Spannungsfeld zwischen Regulierung und Meinungsfreiheit
Die Entscheidung kommt nicht aus dem Nichts: Gegen den Meta-Konzern laufen bereits mehrere Verfahren wegen Verstößen gegen europäische Digitalgesetze. Ende Oktober drohte die Kommission mit hohen Geldstrafen wegen mangelnder Datentransparenz und dem Umgang mit illegalen Inhalten auf Facebook und Instagram.
Meta-Chef Mark Zuckerberg reagierte scharf auf die EU-Vorgaben und sprach von "institutionalisierter Zensur". Auch aus Washington kommt Gegenwind: US-Präsident Donald Trump bezeichnete die EU-Regeln als wettbewerbsfeindlich. Der Vorwurf der Zensur steht im Raum – ein Konflikt, der das transatlantische Verhältnis in digitalen Fragen belastet.
Dabei verfolgt die EU nach eigenen Angaben ein klares Ziel: Nutzer vor illegalen Inhalten, Manipulation und intransparenten Geschäftspraktiken zu schützen. Die Gratwanderung zwischen Regulierung und Meinungsfreiheit bleibt jedoch eine Herausforderung, die beide Seiten unterschiedlich bewerten.